streifen_LNhome

DER LÜBECKER GENERAL-ANZEIGER
UND SEINE ENTWICKLUNG 1882 – 1945

 

Charles Coleman1882 gründet Charles Coleman (1852 – 1936) als 30-jähriger den „Lübecker General-Anzeiger“. Am 15. Juli 1882 erscheint der „General-Anzeiger“ als Probenummer zweimal die Woche als kostenloses Anzeigenblatt für Lübeck und Umgebung. Bereits ein halbes Jahr später – ab Neujahr 1883 erscheint der General-Anzeiger dreimal wöchentlich als vollgültige Zeitung mit einer Auflage von 3.500 Exemplaren. Die Zeitung kostet im Abonnement 60 Pfennige pro Quartal. Der General-Anzeiger gewinnt an Bedeutung, der Informationsdurst steigt. 1885 folgt die Umstellung auf die tägliche Erscheinungsweise. Die Auflage geht weiterhin steil bergauf. 1887 verzeichnet Charles Coleman eine verkaufte Auflage von täglich 5.000 Exemplaren.

Der Verleger schätzt das Potential richtig ein und verändert im Drei-Kaiser-Jahr 1888 das Format. Der General-Anzeiger erhält das große Format, ähnlich dem der heutigen Lübecker Nachrichten (Rheinisches Format). Gleichzeitig erscheinen die ersten Zeitungsbeilagen „Wochenblatt für Landwirtschaft und Gartenbau“ und kurz darauf „Vor Lübecks Toren“. 1890 ist es dann soweit: Die tägliche Auflage übersteigt weit die Marke von 10.000 Exemplaren. Aufgrund der steigenden Auflage und der Erweiterung der Druckkapazität durch Kurzeitungen muss der Verlag auch räumlich expandieren: Charles Coleman erwirbt 1893 das Lübecker Grundstück Königstraße 55 und lässt einen Neubau errichten, der den Bedürfnissen eines großen Druckereibetriebes entspricht. 1905 fährt das erste Automobil des Verlages durch die Hansestadt Lübeck – der zweite in Lübeck zugelassene Kraftwagen überhaupt. Mittlerweile hat auch die Zeitungsauflage längst die 30.000er Marke überschritten. Den ersten Weltkrieg übersteht der Verlag unbeschadet, übernimmt sogar 1921 die traditionsreiche „Eisenbahnzeitung“ und bringt diese unter dem Namen „Lübecker Neueste Nachrichten“ heraus. Allerdings stellt die deutsche Volkspartei das Erscheinen dieses Titels im selben Jahr wieder ein. 1922 erscheinen in Lübeck fünf verschiedene Zeitungen: der „General-Anzeiger“ (unparteiisch), die „Neuesten Nachrichten (mittelparteiisch), der „Lübecker Volksbote“ (sozialdemokratisch), die „Lübeckischen Anzeigen“ /Ausgabe B (unparteiisch) und die zweimal täglich erscheinenden „Lübeckischen Anzeigen“ / Ausgabe A (rechtsgerichtet).

Nach der Inflation erscheint 1927 erstmalig die „Große Illustrierte“ mit 45.000 Exemplaren als Wochenendbeilage im General-Anzeiger. Ein Jahr später wird das Verlagsgebäude in der Königstraße 55 umgebaut und von Grund auf modernisiert. 1936 beginnt ein schwarzes Kapitel für die Verlegerfamilie Coleman: Die NSDAP erzwingt die Abgabe von 30 % der Anteile am bislang reinen Familienunternehmen. 1942 – sechs Jahre später – werden weitere 21 % von der Partei zwangsenteignet, die somit die Majorität besitzt und die politische Richtung bestimmen kann. Schließlich droht die NSDAP mit der Schließung der Betriebes, wenn der General-Anzeiger nicht mit der nationalsozialistischen Parteizeitung „Lübecker Volksbote“Druckpresse fusionierte. Alle Proteste der Familien Coleman gehen ins Leere. Aus Verantwortung gegenüber vielen hundert Mitarbeitern beugt sich die Verlegerfamilie dieser Verordnung. Als Einheitsblatt erscheint 1942 erstmalig die „Lübecker Zeitung“ mit einer täglichen Auflage von 90.000 Exemplaren und beendet seine Existenz mit der Ausgabe am 2. Mai 1945 – der Tag nach Adolf Hitlers Tod. 60 Jahre lang erschien der „Lübecker General-Anzeiger“ und informierte seine Leser in Stadt und Land, bis er 1942 aufgrund der Zwangsfusion im Parteiblatt „Lübecker Zeitung“ aufgehen musste und drei Jahre lang bis 1945 weiter erschien. Ein Jahr später – im April 1946 – erscheinen erstmalig die heutigen „Lübecker Nachrichten“.

Die Lübecker Nachrichten April 1946: Ein neuer Anfang in schwerer Zeit

 Am 3. April 1946 werden die „Lübecker Nachrichten“ aus der Taufe gehoben. Die damaligen Lizenzgeber: Leonhard Ehrlich, Heinz Eckholdt, Johannes Möller und Claus Wessel. Fortan erscheinen die Lübecker Nachrichten zweimal die Woche am Nachmittag: jeden Mittwoch und Sonnabend. Aufgrund der Papierknappheit kann auch ein Jahr später weder auf tägliche Erscheinungsweise noch auf einen größeren Umfang umgestellt werden. Alles ist knapp in der Nachkriegszeit. Private Tauschanzeigen haben Hochkonjunktur in den Lübecker Nachrichten. Der Grundstein ist gelegt, die Lübecker Nachrichten entwickeln sich zu einer aufstrebenden und anerkannten regionalen Tageszeitung, die Jahre später – unter zukunftsorientierter Führung der Verleger – zur größten Tageszeitung Schleswig-Holsteins avanciert.

FuhrparkNach der Einstellung der „Lübecker Zeitung“ am 2. Mai 1945 erscheint bereits 8 Tage später das „Lübecker Nachrichtenblatt“ in unregelmäßiger Folge. Herausgeber ist die Britische Militärregierung in Lübeck. Wenig später wird das maximal vier Seiten starke Blatt kostenlos verteilt. Ab Juni 1946 lässt die Militärregierung ein weiteres Besatzungsblatt, die „Lübecker Post“ zusätzlich verteilen. Am 28. März erscheinen die Besatzungsblätter zum letzten Mal.
szmtag